working mum disruption.

Hello baby, welcome disruption.

wie du dein Work-Life mit Baby neu erfinden kannst.

Zugegeben: Den weisen Spruch „Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind.“ von Gertrud von Le Fort habe ich erst verstanden, nachdem mein Sohn auf der Welt war. Zuvor wähnte ich mich in einer rosigen Vorahnung über all das, was auf mich zukommen würde. In jeder Hinsicht.

 

Dann war er da. Der Tag X. Und er brachte mir einen kleinen puderroten Babyboy. Wow! Die Welt stand still. Für eine kleine kuschelige Weile. Doch der magische Stillstand und Tanz der Hormon-Moleküle war für meinen Kopf nur von kurzer Dauer. Bereits ein paar Monate nach der Geburt beschäftigte ich mich neben Pekip, Babymassage und Krabbelgruppe vor allen Dingen mit mir selbst. 

 

Für mich stand fest: Ich möchte nach einem Jahr wieder arbeiten und trotzdem für mein Kind da sein. Doch wie sollte mein Leben als Working Mum aussehen? Ich war nicht nur chronisch müde, sondern fühlte mich ratlos und hatte keine Antwort darauf, wie ein Work-Life mit Kind funktionieren sollte. War ich doch den ganzen Tag mit dem Baby beschäftigt. 

 

Meine eigene Situation war speziell. In meinen alten Job, der rund 500 km entfernt lag, konnte ich nicht zurück. Mit der Geburt unseres Sohnes sollte die Pendelei zwischen Berlin und dem beschaulichen Ostwestfalen ein Ende haben. Provinzglück statt Berlin-Beat. So war der Deal zwischen meinem Mann und mir. 

 

Soweit, so familienfreundlich. Doch das Kleingedruckte in diesem Deal „Möchtegern Working Mum ohne Job“ nahm mit jedem Entwicklungsschritt meines vergnügt quietschenden Babys immer mehr Raum ein. Der Elternzeit-Countdown lief. Und wer ein Baby hat weiß: 12 Monate vergehen ganz schön schnell.

Hello baby, welcome disruption.

„I´m the best start-up of your life!“ stand auf einem Body, den mein Sohn zur Geburt geschenkt bekommen hat. Ein Start-up in Fleisch und Blut, mit einem nicht unerheblichen disruptiven Potenzial auf den bisherigen Lebensentwurf? Große Gedanken, die mir beim Anblick des kleinen Babybodys immer wieder in den müden Kopf schossen. 

 

„Disruption ist ein Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell (…) durch eine stark wachsende Innovation abgelöst bzw. „zerschlagen“ wird.“ definiert gruenderszene.de.

 

Okay, das klingt natürlich sehr martialisch, sachlich und hart. Besonders in Bezug auf ein so kleines, unschuldiges Wesen. Doch trifft diese nüchterne Definition aus der Startup-Branche nicht im Kern genau das, was Gertrud von Le Fort sagen wollte? Nur zeitgemäßer und auf den beruflichen Teil der Working Mum-Lebenswelt zugeschnitten?

... Geboren wird auch die Working Mum durch das Kind.

Mit dem Vokabular aus dieser Lebenswelt, lässt sich die nüchterne Definition etwa so frei übersetzen: Das Baby als fleischgewordene Disruption, die ein bestehendes Geschäftsmodell (= altes Work-Life) durch eine stark wachsende Innovation (= Vereinbarkeit) ablöst. 

 

In meinem Fall war die Disruption also schon da. Mindestens für die nächsten 18 Jahre - Check! 

 

Mein bisheriges Arbeitsleben als bestehendes Geschäftsmodell in Frage gestellt? Auch das - Check! 

 

Die stark wachsende Innovation? Oh ja, sie rauschte auf mich zu. Hilfe!!!! Wie sollte diese Vereinbarkeits-Innovation gelingen, wenn ich sie noch nicht mal kannte, geschweige denn schon einen neuen Job hatte? - Kein Check! Nein! Ganz und gar nicht.

Bye bye Traumjob, hello Stammdatenpflege!

Mir wurde sehr schnell klar: Wie bisher konnte ich beruflich nicht weitermachen. Für einen Neustart als Head of Marketing in einem neuen Unternehmen in meiner neuen Heimat, hätte ich mindestens 40 Stunden plus einplanen müssen. Mit Kind funktioniert das aber nur, wenn flexible Arbeitszeiten mit Homeoffice-Option, agiles Arbeiten ohne Präsenzkultur in einem Unternehmen möglich sind. 

 

Klingt logisch? Ja. Klingt realistisch? Leider nein. Was war passiert? Warum war es so schwierig, meine Ansprüche aus dem bisherigen Work-Life mit meiner neuen Lebenssituation als Working Mum zu vereinbaren? Warum war ich auf einmal nicht mehr attraktiv für Unternehmen? Ich wollte doch nur nach 12 Monaten Elternzeit da weitermachen, wo ich zuvor in einer anderen Stadt aufgehört hatte. Nur eben zu veränderten Rahmenbedingungen. Nach 12 Monaten Elternzeit und nicht nach 20 Jahren Aufenthalt auf einer einsamen Insel. 

 

Ich verstand die Welt nicht mehr. Mein Sohn lief inzwischen und lernte jeden Tag mehr. Mit seinen Fortschritten schwand mein Selbstbewusstsein. Vielleicht sollte ich mir zum Kita-Start doch irgendeinen Job suchen, der sich mit dem Muttersein vereinbaren lässt? Meine beruflichen Ansprüche einfach auf ein Minimum runterschrauben. Offensichtlich waren sie nur Teil meines alten Lebens, das jetzt Lichtjahre entfernt schien. Unerreichbar weit weg. Bye bye Traumjob, hello Stammdatenpflege!? 

Meine Working Mum Disruption.

Und zack, da war sie auf einmal: Meine Working Mum Disruption. Statt einem Traumjob mit zeitgemäßen flexiblen Rahmenbedingungen hinterherzujagen, wusste ich auf einmal, was ich zu tun hatte: Mein eigenes Ding! 

 

Meinen DIY-Traumjob als selbständige Working Mum: unabhängig, zeitlich flexibel, inhaltlich vielfältig. Zugegeben, vielleicht auch ein wenig verrückt, diesen Schritt mit Baby noch in der Elternzeit zu wagen. Aber auf jeden Fall: mutig und motiviert bis in die Fingerspitzen. Mompreneur. Wenn nicht jetzt, wann dann?

be. here. now.

Über der Toilette unserer Bürogemeinschaft hängt ein Poster mit den Zeilen „be. here. now.“ Wir finden es nicht nur extrem lustig, sondern es erinnert uns jedes Mal an eine ganz wesentliche Working Mum-Stärke: Hier und jetzt sein Ding machen. 

 

Wir, das sind übrigens Nora und ich. Zwei zugezogene Working Mums mit Berlin-Parallelen. Wir haben uns in der Krabbelgruppe kennengelernt und teilen uns jetzt als Mompreneurs einen Schreibtisch in unserer Bürogemeinschaft büro frei15. Unsere  ganz eigene Interpretation von New Work, die wir im Oktober 2018 geründet haben. Mit Spielecke, Sofa und Pastellfarben. Nora als Oecotrophologin, ich als Marketingberaterin.

 

Auf dem Weg zum Mompreneur habe ich sehr viel über mich gelernt. Und das Ende der Lernkurve ist noch lange nicht in Sicht. Ich bin keine Miss Perfect, die nächsten Monat einen „How-to-become-a-self-employed-Working-Mum“-Guide auf den Markt bringt. Jede Working Mum - ob selbständig oder nicht - geht ihren eigenen Weg, weil jedes Vereinbarkeits-Paket nun mal einzigartig ist.

 

Doch ich habe meine eigene Working Mum Disruption genutzt und meinen Weg in die Selbständigkeit gefunden. Für mich und mein persönliches Vereinbarkeits-Paket die einzig logische Konsequenz.

 

Ich habe durchlebt, wie sich der Weg in die Selbständigkeit anfühlt und wieviel Kraft es kostet. Ich weiß, wie herzzerreißend es sein kann, zwischen Baby und dem eigenen beruflichen Antrieb zu jonglieren. Vor allen Dingen habe ich gelernt, welche Schlüsselrolle das Bauchgefühl dabei spielt. 

 

Der Bauch hatte immer Antworten auf meine vielen Fragen. Auch wenn diese manchmal auf sich warten ließen. Manche Dinge brauchen einfach Zeit, um zu reifen. Oder war mein Kopf einfach nur im Weg?

TIPP 1: Pimp your mindset: Nimm die Herausforderung an!

In jeder Working Mum schlummert eine wahrhaftige Superheldin. Superkräfte brauchst du dazu nicht unbedingt. Es kommt aber auf das richtige Mind Set an. Besonders wenn du dich selbständig machen willst.  Das ist der allererste Schritt.

 

Nimm deine Situation an, trauere nicht der Vergangenheit hinterher, sondern fokussiere dich auf die Gegenwart. Alles schön der Reihe nach. Wenn du wirklich Mompreneur werden willst, dann solltest du es wollen - mit Haut und Haar. 

 

Entfache das Mompreneur-Feuer in dir und sorge dafür, dass es kontinuierlich brennt. Aber nicht auf Sparflamme. Lass dich durch nichts und niemanden verunsichern. Vertraue ganz dir selbst und deinem Bauch. Brennt das Feuer auch nach großen Verunsicherungen in dir?  Zweifle nicht an deinem Weg. Mach weiter! 

tipp 2: Los geht´s: Machen!

Los, raus aus der Komfortzone! Heute wieder nichts geschafft? Aber morgen? Hey, denk dran: Fokussiere dich. Auch jeder kleine Schritt auf deinem Weg ist ein Schritt nach vorn. Es ist dein Weg und du bist die Person, die ihn gestaltet. 

 

A propos, Gestaltung. Setze dir realistische Meilensteine.  Sei dir darüber im Klaren, dass du als selbständige Working Mum in allem etwas länger brauchst. Du hast ja schließlich mehrere Jobs zeitglich zu wuppen und baust dir parallel dein eigenes Business auf.

tipp 3: All eyes on you: Finde dich selbst und deine Stärken.

Was sind deine Stärken? Was macht dich im Paket mit deiner bisherigen Berufserfahrung so besonders wertvoll? Oder hast du eine ganz andere Leidenschaft, die du schon immer zum Beruf machen wolltest? Dann ist die Zeit jetzt gekommen! Mach dir deine Fähigkeiten, Erfahrungen und Talente bewusst und feile an der Innovation deiner Working Mum Disruption. 

 

Gibt es Vorbilder? Frauen, die deinen Weg schon gegangen sind? Worauf wartest du? Finde heraus, was du aus diesen Erfolgsgeschichten lernen kannst. 

tipp 4: Mompreneur: Nützliche Talente.

Du bist kommunikativ, neugierig und wissbegierig? Großartig.  So kannst du die Zeichen der Zeit erkennen und für dich nutzen. 

 

Kommuniziere am besten verbindlich und klar. Warum? Als Selbständige bist du deine eigene Marke. Menschen lieben Marken, bei denen das Gesamtpaket stimmt.

 

Machen wir uns nichts vor: Das Chaos ist dein ständiger Begleiter als Mompreneur. Lass es zu. Widerstand ist zwecklos und kostet zu viel Kraft. Mach dir lieber Gedanken darüber, wie du dir Backups schaffst.

 

Nutze deine Zeitfenster und arbeite effizient und strukturiert nach Plan. Klingt ganz schön anstrengend? Gute Planung ist die halbe Miete. Und ein gedeckter Frühstückstisch am Vorabend verschafft dir ein paar Minuten Vorsprung am Morgen. 

tipp 5: Talk, talk, talk: Netzwerken!

Warum alleine sein, wenn du Gleichgesinnte finden kannst? Sprich über dich und deine Mompreneur-Gedanken. Auch in der Krabbelgruppe und beim Pekip. Oder gründe ein Netzwerk für Working Mums, in dem ihr euch gegenseitig unterstützt und eure Erfahrungen teilt. 

 

Nora und ich haben kurz nach der Gründung unserer Bürogemeinschaft büro frei15 das Netzwerk freiGEIST15 ins Leben gerufen. Ein monatliches Meetup für Working Mums aus unserer neuen Heimat Detmold. Eine Plattform mit Themen rund um den Vereinbarkeits-Kosmos mitten in unserer Bürogemeinschaft. Ja, auch auf dem Land spielt dieses Thema eine große Rolle.  

 

Ob Groß- oder Kleinstadt: Vernetze dich! Treffe Menschen, die genauso ticken wie du. Wichtige Spielregeln: Nicht motzen, sondern machen. Höre zu, lerne von anderen. 

 

tipp 6: Positive Vibes @home: Schaff dir Freiraum!

So eine Working Mum-Disruption und Aufbau einer Selbständigkeit ist ganz schön kräftezehrend. Es geht ja schließlich nicht mehr nur um die eigene Selbstverwirklichung. Vielmehr geht es darum, die eigenen beruflichen Ansprüche mit dem Wohl der Familie zu synchronisieren. 

 

Schaff dir Freiraum. Teil dir die Care-Arbeit mit deinem Partner. Das geht nicht? Dann such dir Unterstützung im Haushalt, einen zuverlässigen Babysitter, nutze Supermarkt-Lieferdienste. 

 

Sollte dein Kind schon in der Kita sein: Wie wäre es mit einem kleinen freien Zeitfenster zwischen Business und Kita-Pickup? Die Formel Gestresste Mutter = nörgelnde Kinder scheint mit Murphys Law verwandt zu sein. Denk dran, du bist selbständig. Also kannst du dir diese kleinen Freiheiten in deinen Tag einbauen. 

 

Verbringe die Zeit zusammen mit deinen Kindern offline. Sei ganz für sie da, genieße die wertvolle Zeit exklusiv mit ihnen. Es ist entspannter für beide Seiten. Wenn sie schlafen, kannst du immer noch Mails checken. 

tipp 7: Hey baby, rock your life!

Dein Work-Life mit Familie ist eine riesengroße Challenge. Es ist unglaublich spannend, chaotisch, manchmal frustrierend. Aber auch großartig, faszinierend und einzigartig. So wie du und dein Vereinbarkeits-Paket. Nimm es an und bau dir deine Welt, wie sie dir und deiner Familie gefällt. 

 

Lass dich auf das Mompreneur-Abenteuer ein, wenn das Feuer in dir brennt und du dich durch nichts in der Welt von deiner Idee abbringen lässt. 

 

Du willst dein Business rocken? Dann wirst du es auch schaffen! Vertraue dir selbst, fokussiere dich, lass dir Zeit und das Chaos zu. Es geht nicht ohne. Perfekt ist nur die Welt auf Instagram. Worauf wartest du? Los, auf geht´s in deine Working Mum-Disruption, baby!